|
Auszug aus der Chronik des Lehrers
Kalthoff Auguste Luise Marie KALTHOFF wurde geboren am 22. August 1878, Donnerstag Abend 7 Uhr zu Emmerich im Schulgebäude, sie empfing die heilige Taufe am Sonntag, den 27. September 1878 in der Kirche durch Pfarrer Vielhaber. Ihre Pathen sind: 1) Piano Fabrikant Carl May von hier 2) Ehefrau Gustav Kalthoff (jetzt Witwe) aus Duisburg. Wie fast alle ihre Geschwister, so war auch sie im Anfang recht schwach. Später, während des Zahnens, wurde sie längere Zeit hindurch oft vom Starrkrampf befallen. Diese böse Krankheit hat sich, Gott sei Dank, verloren. Gegenwärtig (Herbst 1883), da sie auch die Kleinkinderschule besucht, sieht sie gesund aus und ist ein heiteres, vergnügtes Kind geworden. Sie hat durch Hersagen langer Gedichtchen Zeugnis von dem Vorhandensein eines guten Gedächtnisses abgelegt. 17. October 1887 - Das gute Gedächtnis hat sich gut bewährt. Dieses wie ihre guten Anlagen überhaupt, haben ihr in der Schule, die sie seit 1884 besucht, gute Dienste getan. Gegenwärtig nimmt sie in der 1. Abteilung der Mittelklasse bei Herrn Baum, den 1. Platz ein. Sie ist noch recht gesund, heiter und vergnügt, strickt und häkelt recht gut und spielt in der schönsten Weise mit ihren kleinen Brüdern. Sie hängt sehr der Großmutter an, bei der sie später immer schlief. 24. Juni 1888 - Seit Ostern ist sie Schülerin der 1. Klasse bei Herrn Baum. Sie besucht auch die Nähschule bei Frau Wimmer und hat dort schon mancherlei Schönes angefertigt, als Uhrtäschchen, eine Decke fürs Consölchen, eine Schlummerrolle, etc. Sie geht dabei der Mama auch fleißig zur Hand. 18.Januar 1891 - Auguste besucht seit Ostern 1890 die hiesige ev. höhere Töchterschule und macht daselbst die besten Fortschritte. In den letzten Herbstferien war sie zu ihrer Erholung 4 Wochen bei meinem Collegen und Freunde Friedrich Nohlen in Vosnacken bei Langenberg. Während ihres Aufenthaltes daselbst machte ihr an einem Sonntag ihr Bruder Gustav von Barmen aus einen Besuch. Bei ihrer Rückkehr hat sie sich 2 Tage in Düsseldorf bei Frau Witwe Haase aufgehalten und noch 3 oder 4 Tage bei ihren Verwandten in Duisburg. 15. April 1894 - Auguste hat nun die Töchterschule absolviert und ist seit Weihnachten v.J. im elterl. Hause. Sie trat gerade zu Anfang diesen Jahres aus, weil der herrschenden Diphteritis wegen der Schulunterricht 7 Wochen nacheinander ausgefallen war und sie keine Lust mehr hatte, nun noch einige Wochen bis Ostern als die Weitälteste der Schülerinnen den Unterricht zu besuchen. Durch regen Fleiß und musterhaftes Betragen ist es ihr möglich geworden, stets gute Zeugnisse zu erhalten. Nebenbei erlernte sie Handarbeiten und das Klavierspielen. Am Palmsonntage 1893 wurde sie durch Pfarrer Vielhaber confirmiert. Ihr Segensspruch lautet: Ich lebe aber, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir, denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben des Sohnes Gottes, der mich gelebt hat und sich selbst für mich dargegeben. (Gal. 2,20) 7. November 1896 - Auguste ist bis jetzt noch immer in ihrem elterlichen Hause verblieben. Sie hat die Zeit fleißig dazu benutzt, sich in häuslichen Arbeiten wie Handarbeit, Musik und Gesang auszubilden. Alles besorgte sie mit freudiger Hingebung und macht lobenswerte Fortschritte. Zur Wanderung machte sie im vorigen Frühsommer, in den Pfingstferien, eine Reise nach Honnef zu ihren Brüdern, unternahm mit denselben verschiedene Ausflüge und blieb dann einige Wochen in Duisburg. Zur besseren Erlernung des Klavierspielens nimmt sie seit dem 5. August d.J. Privatunterricht bei Frau Witwe Becker. Dem Kirchenchor gehört sie schon seit dem vorigen Jahr an. 3. Sept. 1897 - Augustes Sinnen und Trachten nach einem ihr zusagenden Berufe ist befriedigt worden. Sie hat sich dem Dienste der Krankenpflegerinnen gewidmet und trat am 15. Juni d.J. als Schwester vom "Roten Kreuz" in den Vaterländischen Frauenverein zu Frankfurt am Main. Seit diesem Tag ist sie in dem Krankenhause, Medizin. Abteilung, in Sachsenhausen bei Fr. als Pflegerin tätig. Aus ihren Briefen und den Aussagen von Adolf, Wilhelm und Rudolf, die sie gelegentlich besuchten, geht hervor, daß sie sich in diesem gewiß schweren Berufe sehr glücklich fühlt. An ihrem Geburtstage erhielt sie von einem Kranken ein Gedicht, worin in den wärmsten Worten ihr für die vielen Mühen Dank ausgesprochen worden war. In ihren Freistunden, wöchentlich 6, besucht sie meistens Geschwister Heicapell, Lehrerinnen an der Kleinkinderschule in Bockenheim bei Frankfurt. Geschwister Hp wohnten früher in Emmerich und waren unsere Nachbarn. Vorgestern erhielten wir von ihr eine Photographie von 12 Schwestern der medizinischen Abteilung, worunter auch sie. Die Aufnahme hatte ein dort in Privatpflege sich findender russischer Baron von Zitschering gemacht. Das Bild habe ich auf ihr Schlafzimmer übers Bett gehängt. 8. März 1898
- Zur Feier unserer silbernen Hochzeit am 3. Nov. v.J.
kam Auguste herüber. Leider konnte sie nur einige Tage
hierbleiben. Augenblicklich weilt sie wieder im elterl.
Hause. Die Mama bat Sonntag vor 8 Tagen, d. 27. Februar
telegraphisch um ihre Herüberkunft zur Pflege des
erkrankten Vaters. Nun, so unnötig dies auch war, so
freuten wir uns doch alle, als wir sie wiedersahen. In
den vergangenen 9 Monaten hat sie den Ernst des Lebens
deutlich kennengelernt und ist um manche Erfahrung
reicher geworden.
Auguste Kalthoff war Pianistin und Heimatdichterin - nachfolgende einige ihrer Gedichte: Heideweg Es ist, als lief der Heideweg Und immer schon war dieses Bild Der alte Weg, er läuft ins Licht, Hirten am Niederrhein Ich liebte sie, die wunderlichen
Alten Die laute Welt, sie konnte sie nicht
locken, Als würden sie nur immer weiter
schreiten Den Wettermantel würd er
ihnen lassen, Ob da auch Bäume ständen so wie
diese Und wie sie ihre Andacht still
begonnen, Das dunkle Lied Du kennst noch nicht das dunkle Lied Und kennst Du es, das dunkle Lied
|
![]() |